Frontline

Kapitel I: Der Geist

 


Der Krieg hat einen langen Arm. Noch lange, nachdem er vorbei ist, holt er sich seine Opfer. -Martin Kessel


Mitten in Dreck, Schlamm und noch mehr Dreck. Knöchel tief drin. Seit schon fünfundzwanzig Tagen ohne Luftunterstützung. Fünfundzwanzig Tage seit der versprochenen Evakuierung aus dem verdammten Graben.
Wieder schlägt eine Kugel in der Nähe ein. Ein kurzer Blick rechts zum Nebenmann. Der zuckt nur lässig mit den Schultern und blickt weiter zur Front, wo die Kugel herkam.
„Verfluchte Flyboys. Verfluchter General Ky. Verfluchter, dreckiger Schlammplanet,“ musste Gael zum hundertsten mal heute bereits denken.
Er blickte weiter hoch zu dem rauchenden faustgroßen Loch zwischen sich und seinem Kameraden.  Die außerirdischen Angreifer waren zahlenmäßig wie immer in der Überzahl, dafür meistens umso schlechtere Schützen. Nur ohne jedwede Art von nötiger Hilfe, würde das trotzdem reichen, die Leute in den Gräben fertig zumachen.
„Daneben,“ meinte der Mann links neben ihn. „Mal sehen ob ich das besser kann.“
Mit dem Schnellfeuergewehr im Anschlag sprang er hoch von seinem Platz. Doch Gael war viel schneller als der und zog ihn kräftig runter.
„Idiot, dein Sold ist bestimmt nicht hoch genug für eine Kugel im Kopf.“
„Nimm deine Flossen von mir weg oder ich schneide sie dir ab,“ schrie der Soldat Gael an.
Gael ließ ihn los, nicht wegen der Drohung, sondern weil etwas spitzes zwischen Hüfte und Rippen drückte. Trotz dem Messer und der Drohung, musste er einfach etwas erwidern, nur um wenigstens das letzte Wort zuhaben.
,,Wenn du sterben willst, dann such dir eine bessere Möglichkeit aus, bei der du auch was erreichen kannst.“
Das Messer verschwand und der Soldat sah einfach weg von ihm. Erst jetzt bemerkte Gael, dass der Soldat eine Frau war. Unter Dreck und Schlamm war das Gesicht nur schwer zuerkennen gewesen. Irgendwo her kannte er auch ihren Namen. Deidrie hieß sie. Als einzige Person hatte sie zwar die selbe Standard Uniform mit der verstärkten Brustplatte, die weibliche Körpermerkmale gut verbarg, aber keine Markierungen oder Abzeichen, die verraten würden zur welcher Einheit sie gehört. Ihre Rangabzeichen an Helm wiesen sie allerdings als Sergeant aus.
Gael wusste was sie war. Soldaten ohne Abzeichen waren die Elite der Elite. Sie erhielten ihre Befehle außerhalb der Befehlskette, Befehle die geheim sind. Manche nennen sie Geister. Kaum jemand spricht mit ihnen, denn für gewöhnlich überlebte man Außer Auseinandersetzungen mit denen.
Immer noch wütend, schluckte er eine Verwünschung runter, weil er sich mit solch einem Geist angelegt hatte. Weiter die Frontlinie beobachtend, verschwanden langsam wieder die Gedanken um den kleinen Zwischenfall. Seine Kameraden in der unmittelbaren Nähe taten so, als wäre nie etwas passiert.
Nach einer Stunde war Gael auf seinem Posten trotz des permanenten Beschuss eingenickt. Der Segen der meisten Soldaten, vor allem eines Veteranen, jeder Zeit ein wenig zu schlafen. Er schreckte zusammen, als jemand ihn mit seinem Stiefel zweimal kurz hintereinander anstieß. Bei dem Anblick eines Offiziers in Schlamm bedeckter Uniform wurde er sehr schnell wach.
,,Sir!,“ grüßte Gael automatisch.
,,Stehen Sie bequem Soldat. Sind Sie Captain Gael ?,“ fragte er ihn.
,,Nur Soldat Gael, Sir.“
,,Ab jetzt sind Sie wieder Captain. General Ky hat mir die Aufgabe gegeben einen Trupp für einen Spezialauftrag zusammen zustellen. Den werden Sie mit mir anführen. Also packen sie ihr Zeug und melden sich umgehen bei Vorposten neun.“
Ohne eine weitere Antwort von Gael abzuwarten, ging der Offizier weiter durch den Schützengraben. Gaels Zeug hatte er im Prinzip bei sich. Außer seinem Sturmgewehr und einigen kleinen Dingen, die er in seinem zerschlissenen Rucksack verstaute, gab es nichts weiter. Routiniert prüfte er seine Ausrüstung und bemerkte erst als er fertig war, dass Deidrie verschwunden war.
Ihm machte es nichts aus. Mit einem Datapad in der Hand suchte Gael sich einen Weg durch Schützengräben und Kratern zum Vorposten neun.
Nach wenigen Minuten stand er bereits im Vorposten. Er erkundigte sich beim Wachhabenden, wo er hingehen müsse. Dieser wies auf eine Stahltür, die tief unter die Erde in einen Bunker führte.

,,Also“, begann Leutnant Maeveron. ,,Wir kommen hier nur raus, wenn wir der Flotte dort oben ein wenig entgegen kommen. Dafür habe ich Sie alle ausgewählt.“

Er schwieg einen Moment, dann setzte er weiter fort.

,,Man verlangt von uns die Rückeroberung der Flagbunker zwölf und dreizehn. Eigentlich reicht es nur einen zu erobern, um einen Feuerfrei Korridor zu schaffen, zwei wären natürlich besser.“

Er wechselte das Hologramm, dass nun eine dreidimensionale Darstellung der Bunker und der Umgebung zeigt.

,,Beide Bunker liegen in dem längst vom Feind eingenommenen Gebiet. Allerdings wird niemand damit rechnen, wenn wir in unserer Lage noch einen Ausfall versuchen. Nummer zwölf ist am nächsten nördlich von uns. Sobald dieser eingenommen ist, geht es fall möglich gleich zu Nummer dreizehn.“

Gael mischte sich ein: ,,Wie sollen wir denn dort überhaubt hin kommen? Ich sehe zwar ne Menge Spalten, Krater und Hügel, die uns Deckung geben werden, aber dort gibt es sicherlich etliche Patroullien. Außerdem haben die noch immer die Lufthoheit. Falls nur einer von denen zufällig nach unten sieht, werden wir entdeckt.“

,,Richtig, ich sehe da auch kein durch kommen. Was noch dazu kommt ist, das die Bunker mal uns gehörten. Darum weiß ich genau, dass die schwer zu knacken sind,“ meinte einer der Soldaten.

,,Ja, da haben sie beide recht. Nur müssen wir es versuchen, sonst gehen wir hier drauf. Der Angriff beginnt in einer halben Stunde. Dann kommt auch die Flotte mit ins Spiel. Sobald hier unten es beginnt, beginnt über uns das Spektakel. General Ky wird den Feind angreifen und einen Fluchtkorridor für die Transporter schaffen. Dazu werden die schweren Kreuzer aus einem niedrigen Orbit feindliche Stellungen angreifen und uns so hoffentlich genug Zeit verschaffen, “ erklärte Maeveron den Soldaten.

,,Fragen?,“ wollte er wissen.

,,Nein Sir,“ knirschte Gael mit den Zähnen.

,,Gut, macht euch bereit. Um null siebenhundert gehts los. Angriff startet bei den hinteren Gräben. Sie Leutnant Gael werden mit mir das Kommando führen. Unser Geist Deidrie, wird als Scout und Scharfschützen fungieren.“

 

Kapitel II: Auftakt

 

Mit der Erfindung der planetaren Reisen, kommt der Wunsch zu noch weiter entfernten Orten. Wenn dies eintrifft, wird die Menschheit sich vielen neuen Probleme gegen über sehen. - Graham Woldt


Voll ausgerüstet standen die zwanzig Mann abmarsch bereit am Treffpunkt. Deidrie war bereits voraus gegangen, um mögliche Hinterhalte auf zu spüren. Gael lauschte dem Funk in seinem Headset. General Ky griff einwenig verfrüht an. Wie die Schlacht dort ausgehen würde, konnte er sich kaum vorstellen. Wichtiger dagegen war die Einnahme der beiden Flagbunker. Leutnant Maeveron gab ein stilles Zeichen Funkstille zu bewahren, dann liefen alle los. Geduckt, um sich blickend nach dem Feind suchend liefen sie in Richtung der Bunker.

Nur anhand eines kleines Displays am linken Arm konnte Gael verfolgen wo sich jeder einzelne gerade befand. Bereits ein gutes Stück voraus, außer Sicht für ihn, befand sich Deidrie. Er wollte gerade sich wieder auf die Umgebung konzentrieren, als ihr Symbol dreimal kurz hinter einander aufleuchtete. Das Zeichen für einen Feindkontakt.

Schnell ging er ein Stück weiter zu Leutnant Maeveron, um ihn zu sprechen.

,,Feindkontakt vor uns. Befehle?,“ wollte Geal wissen.

,,Abwarten. Sie kommt bestimmt damit klar. Geben wir ihr etwas Zeit. Langsam weiter gehen.“

Wie erwartet kam der Geist damit klar. Vier Aliens mit vier Schüssen erledigt. Sie machte sich nicht einmal die Mühe auf alle anderen zu warten und lief schon weiter vorwärts. Von Kratern zu Krater und zwischen den breiten Erdspalten tauchte sie immer wieder ab. Nach wenigen Minuten hatte der kleine Trupp sie wieder aus den Augen verloren.

 

Fortsetzung folgt...

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