Die Blutglocke

Er rannte schnell durch den Wald. Verbotenes hatte er gesehen und wusste das dies bestraft werden würde. Angst trieb ihn an und ließ ihn nicht zurück blicken. Doch er wusste, was hinter ihm war. Nicht nur der verfluchte Ort, den er hätte nie betreten dürfen. Es war etwas schlimmeres, etwas das grauen voller und schrecklicher war, dass er gerade gesehen hatte. Irgendetwas verfolgte ihn durch den Wald, ein Wesen das es hätte nicht geben dürfen, schon gar nicht hier im Diesseits. Verzweifelt suchte er die Straße und den Weg zur nahe gelegenen Kirche.

Da packte eine Klaue ihn an den Schultern und warf ihn nach vorn.

„Nein, nein. Mich kriegst du nicht.“ Hinter ihm zischte es. Völlig verzweifelt kroch er weiter, weg von dem Ungeheuer. Noch immer wagte er nicht zurück zu blicken. Wieder wurde er gepackt, diesmal an seinem linken Fuß. Panisch versuchte er sich festzuhalten, jedoch zwecklos. Er fand keinen halt. Es drehte ihn auf den Rücken, packte ihn an der Kehle und hielt ihn dicht vor seine Augen. Rotglühende Augen, die bis in seine Seele zu blicken schienen. Der Mann versuchte noch immer sich loszureißen, dann brach es ihm das Genick. Den erschlafften Körper ließ es achtlos fallen, dann beugte es sich über die Leiche und begann sein Mahl zu verzehren. Niemand sah das schaurige geschehen in der dunklen Nacht. Eine Glocke läutete in einem merkwürdig dumpfen Ton durch die Nacht. Das Monstrum wand sich von dem, was es von der Leiche übrig ließ ab und ging zurück in die Richtung, aus der es sein Opfer verfolgt hatte.

Am nächsten morgen gingen die Menschen in dem kleinen Ort ihre Arbeit nach, spazierten durch den Park oder beschäftigten sich mit anderen Dingen. Erst zum Mittag hin wurde der Mann als vermisst gemeldet. Die Polizei hielt suchte am nächsten Tag nach ihm, doch schließlich gingen sie davon aus, dass er wieder von selbst auftauche würde und stellten die Suche ein. Erst zwei Tage später, fand durch Zufall der örtliche Förster die schrecklichen Überreste. Die Polizei hatte den Tatort abgesperrt und mit den Untersuchungen begonnen. Niemand von ihnen konnte sich erklären, wie der Mann starb, nur das es sehr grausam gewesen sein musste.

Und da kam ich ins Spiel. Ich wurde mitten aus einer anderen Ermittlung geholt, ein Routinejob. Es ging um einen Raub in der Nachbarschaft. Die Täter standen schon fest, nur beweisen konnte ich es denen nicht so ganz. Da bekam man bei unserem Revier Wind davon, dass es einen ziemlich üblen Mord im Nachbarort gegeben hatte. Mein Vorgesetzter meinte es eigentlich auf seine Art gut mit mir, in dem er mich von der ständigen Routine erlösen wollte. Ich sollte bei dem Fall den Kollegen helfen und in inkognito Ermittlungen anstellen. Da stand ich nun, vor mir die unschönen Überreste eines Mannes. Sein Kopf war zu einer einzigen Masse zerdrückt. Der Torso war aufgebrochen und ausgehöhlt. Sämtliche Organe, sowie große Teile des Fleisches fehlten. Unnötig zu sagen was das für ein Anblick ist, selbst für jemanden wie mich, der schon so manche Leiche gesehen hatte. Ich wandte mich von der Leiche ab und entfernte mich einige Schritte davon. Der kurze Blick darauf hatte mir schon gereicht. Mit mühe unterdrückte ich ein würgen. Neben mich trat ein Geistlicher, der Pfarrer des Ortes.

„Ich bin Pfarrer Schubert.“, stellte er sich vor und schüttelte mir die Hand. Er deutete in die Richtung des Ortes zu gehen.

„Angenehm Herr Pfarrer. Mein Name ist Achim Wolf. Ich soll hier, sozusagen undercover ermitteln“, stellte ich mich ihm vor.

„Verdeckte Ermittlung? Hier im Ort sind sie fremd und jeder wird sich früher oder später zusammen reimen, was sie hier tun“, sagte der Pfarrer.

„Außerdem mochte jeder der Einwohner den Pater Felice.“

„Ich bin zwar nicht von hier, aber ich weiß wie man möglichst unerkannt ermittelt. Mein Vorgesetzter bestand darauf. Und ich glaube nicht, dass der Mörder von hier stammt“, erklärte ich ihm.

,,Ich wäre ihnen dankbar, wenn sie es für sich behalten würden, warum ich hier wirklich bin." Der Geistlich nickte zu stimmend. Sein Blick verlor sich irgendwo vor uns im Wald.

,,Natürlich werde ich schweigen bewahren. Bedenken sie aber das man ihnen nicht viel helfen wird, sollten sie jemals zu direkt fragen. Wenn ich kann, helfe ich so weit es geht. Felice war ein guter Freund von mir," erwiderte Pfarrer Schubert.

,,Sie kannten nicht nur? Er war sogar ihr Freund? Dann erzählen sie mir bitte doch, falls es keine Umstände ihnen bereitet, was sie mir über ihn sagen können. Warum zum Beispiel war er denn überhaupt hier. Von Italien ist es ja doch recht weit," wollte ich von ihm wissen. ,,Nun, ich habe meine Aussage schon bei den Kollegen gemacht," antwortete er.

„Pater Felice ist erst vorgestern angekommen und wollte mich besuchen. Wegen meiner Pflichten in der Kirche, konnte ich mich mit ihm nur wenig unterhalten. Er deutete aber an, dass es um eine wichtige Sache geht, bei der er meiner Hilfe bedürfte." Pfarrer Schubert sah mich jetzt direkt an.

,,Sicherlich werden sie mir nicht glauben, aber Pater Felice meinte, es gäbe in der Gegend einen Ort des Bösen," sagte er mit etwas leiserer Stimme.

,,Was könnte er damit gemeint haben?," fragte ich ihn. Der Pfarrer schüttelte nur den Kopf.

,,Ich als Mann der Kirche glaube an das Gute und weiß das das Böse exestiert, egal auf welcher Art. Was Pater Felice wusste, weiß ich wirklich nicht." Ich grübelte über die Aussage und versuchte einen Zusammenhang zu der Leiche zu finden. Mir fiel keiner ein. Vermutlich gibt es keine Gemeinsamkeiten. Doch weder zur Leiche, noch zu dem was Pater Felice sagte, kam mir keine Theorie in den Sinn. So wie es aussieht, war er zur falschen Zeit am falschen Ort. Ich erklärte meine Überlegungen Pfarrer Schubert, der nickte und verabschiedete sich von mir. Weil ich dachte, ich könnte Pater Felices Andeutung am leichtesten aus der Welt schaffen, in dem ich das Stadtarchiv aufsuche, lief ich den Weg zurück zum Ort. Dabei versuchte ich auf andere Gedanken zu kommen, leider musste ich immer wieder an den furchtbaren Anblick der Leiche denken. Gedanken verloren merkte ich auch erst spät, dass ich schon im Ort war. Ich schaute mich nach dem Rathaus um und fand es ein kleines Stück rechts vor mir. Das Rathaus war ein altes Fachwerkhaus, dem ein neuer Anstrich gut täte. Laut den Öffnungszeiten war schon seit über einer Stunde geschlossen. Trotzdem versuchte ich mein Glück und drückte die Türklinke runter. Die Tür ging auf und ich ging hinein. Im Gegensatz zum Äußeren des Gebäudes war es modern eingerichtet. Überall war es dunkel. Niemand war zu hören. Ein gutes Stück vor mir den Gang runter war eine Tür einen kleinen Spalt breit offen und ließ etwas Licht in den Flur. Es war kein Schild zusehen, auf dem steht wessen Büro das war. Auf der Tür selbst stand in schwarz eine halb abgekratzte Zahl, vermutlich sollte es mal eine 22 oder 23 sein. So genau konnte das man bei der zweiten Ziffer nicht mehr sagen. Ich ging auf die Tür zu und klopfte. Niemand meldete sich, also schritt ich einfach hinein. "Hallo? Ist hier jemand?", fragte ich. Langsam blickte ich mich um. Niemand war da. Nur warum brannte dann das Licht ? Was genau das hier für ein Raum war, konnte ich nicht sagen. Vor dem Fenster stand an dunkel brauner massiver Schreibtisch. Darauf stand ein altes grünes Telefon mit Wählscheibe, einige abgegriffene Bücher und ein großer Stapel Akten. Der Raum wurde durch eine Schrankwand getrennt. In den Regalen und auf dem Boden stapelten sich Aktenordner und teilten sich den Platz mit einigen antik wirkenden Dingen. Ein wenig neugierig darauf was sonst noch so auf dem Schreibtisch lag, ging ich ihn herum. Anschneidend bin ich in das Büro des Historikers gelandet. Die Bücher und die Akten befassten sich mit der örtlichen Geschichte bzw. historischen Sehenswürdigkeiten. Plötzlich legte sich eine eiskalte Hand auf meine rechte Schulter und drehte mich herum. Ich starrte erschrocken in eine dämonische Fratze mit langen schwarzen Hörnern. Mir fiel erst gar nicht vor Schreck auf, dass die Fratze eine Maske war und es ein nicht unbedingt gruseliges Geheul zu hören war. Der Mann vor mir nahm die Maske ab und zeigte mir grinsend seine alten gelben Zähne, zumindest die die noch da waren.

"Hab ich sie erschreckt, ja?", fragte er mich lachend. Sein lachen erinnerte mich an das meines Großvaters. Und genau so sah er auch für irgendwie aus, wenn da nur nicht diese Maske wäre. Er verstaute die Maske in einem der überfüllten Regale. Ein lachen unterdrückend ging er um den Schreibtisch herum und ließ sich schwer atmend auf dem Stuhl fallen.

"Ja, Sie haben mich erschreckt. Mehr als ich zu geben würde", gestand ich ihm. Er richtete sich ein wenig wieder auf.

"Kommen Sie, setzen sie sich doch. ", sagte er freundlich und deutete er auf den Stuhl vor dem Schreibtisch. Ich setzte mich auf dem Stuhl, der dabei laut knarrte. Hoffentlich hält der mich aus, dachte ich. Als ob er meine Gedanken hören konnte, meinte der Alte zu mir: "Keine Sorge, der Stuhl ist alt und solide. Genau wie ich." Wieder gluckste er vor sich herum. Ich wusste nicht was ich sagen sollte, also stellte ich mich einfach halt vor.

"Mein Name ist Arno Sutherland. Ich mache hier für eine Weile Urlaub und wollte hier im Rathaus mich über die Sehenswürdigkeiten informieren." Na ja, nicht alles stimmte. Nur der Name war wahr. Der Alte stellte sich darauf selbst vor.

"Ich bin Theo Thielmann. Wenn Sie was sehenswertes suchen, dann sind sie hier ganz richtig. Wir sind ein kleiner abgelegener Ort, aber dafür haben wir hier schöne Sehenswürdigkeiten. Die Burgruine, oben auf dem Berg. Der schöne See im Wald und natürlich der Wald selbst mit vielen Wander- und Radwegen."

"Ich habe gehört hier soll es eine Ruine einer alten Kirche geben in der es spuckt," meinte ich. Thielmann schüttelte darauf nur mit dem Kopf.

"Ja, die gibt es. Aber es spuckt dort nicht. Diese verfluchte Geistergeschichte ist eine Erfindung eines ehemaligen Bürgermeisters. Er wollte einfach mehr Leute anlocken. An der Kirche ist nichts besonderes. Sie ist vor über 250 Jahren abgebrannt. Heute sind dort nur noch einige Steine und der Kirchturm zusehen. Zumindest was davon übrig ist."

Ich stand auf und bedankte mich bei dem alten Mann für das Gespräch. Draußen warf ich einen Blick auf meine Armbanduhr. Kurz überlegte ich, ob ich nicht noch in die nächste Kneipe gehen und den Touristen spielen sollte. Aber ich verwarf gleich wieder den Gedanken. in diesem kleinen Ort wusste man bestimmt schon längst von meiner Anwesenheit. Außerdem würde Thielmann bestimmt allen noch von meiner Begegung mit mir berichten. Darum ging ich zu der Pension, in der ich ein kleines bescheidenes Zimmer gemietet hatte. Müde ging ich ins Bett. Dabei ließ ich den Tag noch einmal Revue passieren. Für mich hatte sich nicht unbedingt etwas sinnvolles ergeben. Keine neuen Kenntniss zu dem Fall. Aber es war ja auch erst der erste Tag, von bestimmt noch vielen die folgen würden.

 

Am nächsten morgen machte ich mich nach einem schnellen Frühstück auf zu den Kollegen in der nächst gelegenen Stadt. Dort konnte man mir nicht wirklich helfen. Die Mordkommission hatte ihren Vorläufigen Bericht fertig, den ich mir auch durch las. Auch die Aussage von dem Pfarrer und einigen anderen las ich mir durch. Nur neue Erkenntnisse zum Stand der Dinge gab es leider nicht. Also fuhr ich etwas entäuscht wieder zurück. In dem kleinen Ort angekommen Schaute ich bei dem Pfarrer vorbei. Ich wollte mehr wissen, was der Pater Felice ihm gesagt hatte, bevor er ermordet wurde.

„Da kann ich ihnen nicht viel dazu sagen. Nachdem er hier ankam sahen wir uns nur zwei mal. Das erste Mal haben wir uns lediglich begrüßt und ein wenig über kirchliche Dinge geredet. Einen Tag später war wieder bei mir. Er erzählte mir, es gäbe hier eine Art Kult oder Sekte, die mit dem Teufel im Bunde sei."

 

 

 

Fortsetzung folgt...

 

Die Geschichte ist noch nicht fertig! Sie wird nach und nach erweitert und vielleicht auch zum Teil wieder umgeschrieben.

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